01.09.2021

Krisenabhaken



Die letzten Wochen waren, auch wenn es mit einem ersten Blick auf die Börsen gar nicht danach aussieht, hoch emotional. Die Luft anzuhalten und durch die eine oder andere große Themenwolke, die sich vor uns Börsianern aufbaut, durchzublicken war permanent notwendig. Abgehakt. Wir haben diesen Sommer nun halbwegs hinter uns gebracht und die Hoffnung steigt damit, dass durch die wieder ansteigenden Volumina auch der eine oder andere Amplitudenausschlag am Markt nicht mehr so leicht passieren wird, aber ein paar bestimmende Entwicklungen haben wir noch zu be- und auch zu verarbeiten.

Zuerst aber das, was wir die letzten Wochen schon hinter uns gebracht haben: Die Verknappung bei Halbleitern wird inzwischen nur mehr am Rande in die Kurse eingearbeitet, man hat sich damit abgefunden und blickt auf 2022 umso konzentrierter und überwiegend positiv. Genauso die Lieferketten-Probleme. Die Erkenntnis, dass die meisten dieser Verlangsamungen im globalen Warenverkehr weniger überbordender Nachfrage als vielmehr dem noch immer uns begleitenden Virus samt der diesen umgebenden „Viruspolitik“ geschuldet ist, eröffnet die Antwort auf das nächste dominante Thema: die Inflation. Genau diese Inflation müsste sich nun wieder nach Unten begeben und relativieren, nachdem Rohstoffpreise wieder sinken und auch Nachfragespitzen abgearbeitet wurden. Chinas Politik gegenüber seinen Technologiegiganten war genauso eine Erschütterung. Die traf sogar richtig ins Herz vieler Börsianer. Der Glaube an der Börse, dass Geschäft allein der bestimmende Faktor ist, wurde hier deutlich als irreführend beleuchtet. Geschäft ist auch Wissensgewinn und diesen erlaubt ein Staat wie China vor Allem zuerst sich selbst. Sobald andere diesen Status gefährden springt der chinesische Regulator in den Ring und ändert die Spielregeln. Ach ja, und last but not least sind die Notenbanken ihrer Rolle als Finanzierer ohne Grenzen wieder gerecht geworden und haben die Aufmerksamkeit der Börsen betreffend Thema Tapering auf sich konzentriert. Ein gutes Gefühl zu wissen, dass die FED hier nicht kopflos agiert und die positive Wirtschaftsentwicklung weiter im Auge behält. Gut auch, in Kombination dazu zu erkennen, dass Inflation nicht doch so hoch wie befürchtet kommen sollte. Und interessant auch, dass die FED und die EZB in ihrer Politik mittlerweile auseinanderdriften.

Was bleiben nun dominierende Ereignisse für den Rest des Jahres? Was wird die Wahl in Deutschland bringen? Eine Rückkehr der SPD mit einer sozialistischen Politik, die Angela Merkel ja still und heimlich ohnehin die letzten Jahre propagiert hat? Oder wird’s in Afghanistan doch wieder rund gehen und die drei Großmächte müssen sich wieder dort einbringen? Oder kommt Unruhe aus einer Ecke, die wir die letzten Jahre als Garant des globalen Wachstums gesehen haben, China?

Wir haben uns daran gewöhnt, dass China das globale Wirtschaftsfeuer kräftig am Leben erhält. Die Wachstumsraten der letzten Jahre waren beeindruckend und haben gezeigt, welch Kraft und Konsequenz hinter dieser Entwicklung stehen. Inzwischen ist der Motor aber etwas ins Stottern geraten. Die Einzelhandelsumsätze flachen ab, Industrieproduktion sinkt ebenso,  die Arbeitslosigkeit steigt dagegen langsam an. Investitionen werden weniger und auch die Verschuldungsrate innerhalb der Bevölkerung nimmt zu. Natürlich sind die prozentualen Zahlen nach wie vor etlichen entwickelten Märkten voraus, aber China ist in der Situation angekommen, sein Wachstum nicht mehr in der altgewohnten Größe aufrechterhalten zu können. Skaleneffekt, ehklar. Gleichzeitig ist aber das Lohnniveau in China über das seiner Satelliten gestiegen, was Befürchtungen auslöst deren Produktivität wird bald jene Chinas überholen und das Land des Lächelns zum satten Riesen verkommen lässt.

Die drei „G“ von 2021: geimpft, gesund, (vom Markt) getestet.



01.09.2021

Krisenabhaken



Die letzten Wochen waren, auch wenn es mit einem ersten Blick auf die Börsen gar nicht danach aussieht, hoch emotional. Die Luft anzuhalten und durch die eine oder andere große Themenwolke, die sich vor uns Börsianern aufbaut, durchzublicken war permanent notwendig. Abgehakt. Wir haben diesen Sommer nun halbwegs hinter uns gebracht und die Hoffnung steigt damit, dass durch die wieder ansteigenden Volumina auch der eine oder andere Amplitudenausschlag am Markt nicht mehr so leicht passieren wird, aber ein paar bestimmende Entwicklungen haben wir noch zu be- und auch zu verarbeiten.

Zuerst aber das, was wir die letzten Wochen schon hinter uns gebracht haben: Die Verknappung bei Halbleitern wird inzwischen nur mehr am Rande in die Kurse eingearbeitet, man hat sich damit abgefunden und blickt auf 2022 umso konzentrierter und überwiegend positiv. Genauso die Lieferketten-Probleme. Die Erkenntnis, dass die meisten dieser Verlangsamungen im globalen Warenverkehr weniger überbordender Nachfrage als vielmehr dem noch immer uns begleitenden Virus samt der diesen umgebenden „Viruspolitik“ geschuldet ist, eröffnet die Antwort auf das nächste dominante Thema: die Inflation. Genau diese Inflation müsste sich nun wieder nach Unten begeben und relativieren, nachdem Rohstoffpreise wieder sinken und auch Nachfragespitzen abgearbeitet wurden. Chinas Politik gegenüber seinen Technologiegiganten war genauso eine Erschütterung. Die traf sogar richtig ins Herz vieler Börsianer. Der Glaube an der Börse, dass Geschäft allein der bestimmende Faktor ist, wurde hier deutlich als irreführend beleuchtet. Geschäft ist auch Wissensgewinn und diesen erlaubt ein Staat wie China vor Allem zuerst sich selbst. Sobald andere diesen Status gefährden springt der chinesische Regulator in den Ring und ändert die Spielregeln. Ach ja, und last but not least sind die Notenbanken ihrer Rolle als Finanzierer ohne Grenzen wieder gerecht geworden und haben die Aufmerksamkeit der Börsen betreffend Thema Tapering auf sich konzentriert. Ein gutes Gefühl zu wissen, dass die FED hier nicht kopflos agiert und die positive Wirtschaftsentwicklung weiter im Auge behält. Gut auch, in Kombination dazu zu erkennen, dass Inflation nicht doch so hoch wie befürchtet kommen sollte. Und interessant auch, dass die FED und die EZB in ihrer Politik mittlerweile auseinanderdriften.

Was bleiben nun dominierende Ereignisse für den Rest des Jahres? Was wird die Wahl in Deutschland bringen? Eine Rückkehr der SPD mit einer sozialistischen Politik, die Angela Merkel ja still und heimlich ohnehin die letzten Jahre propagiert hat? Oder wird’s in Afghanistan doch wieder rund gehen und die drei Großmächte müssen sich wieder dort einbringen? Oder kommt Unruhe aus einer Ecke, die wir die letzten Jahre als Garant des globalen Wachstums gesehen haben, China?

Wir haben uns daran gewöhnt, dass China das globale Wirtschaftsfeuer kräftig am Leben erhält. Die Wachstumsraten der letzten Jahre waren beeindruckend und haben gezeigt, welch Kraft und Konsequenz hinter dieser Entwicklung stehen. Inzwischen ist der Motor aber etwas ins Stottern geraten. Die Einzelhandelsumsätze flachen ab, Industrieproduktion sinkt ebenso,  die Arbeitslosigkeit steigt dagegen langsam an. Investitionen werden weniger und auch die Verschuldungsrate innerhalb der Bevölkerung nimmt zu. Natürlich sind die prozentualen Zahlen nach wie vor etlichen entwickelten Märkten voraus, aber China ist in der Situation angekommen, sein Wachstum nicht mehr in der altgewohnten Größe aufrechterhalten zu können. Skaleneffekt, ehklar. Gleichzeitig ist aber das Lohnniveau in China über das seiner Satelliten gestiegen, was Befürchtungen auslöst deren Produktivität wird bald jene Chinas überholen und das Land des Lächelns zum satten Riesen verkommen lässt.

Die drei „G“ von 2021: geimpft, gesund, (vom Markt) getestet.