29.09.2020

Die Welt trainiert den „Blinden Fleck“



Wir erinnern uns an unsere Biologiestunden in der Schule wo wir staunend ob des einfachen Beweises im Selbstexperiment unseren blinden Fleck entdeckten. Jene Stelle wo das Licht eines Auges auf den Sehnerv trifft, und weil der dort keine Lichtrezeptoren hat verschwindet im einäugigen Sehen plötzlich dort ein Fleck. Man kann solch ein Wegsehen bzw. Nichterkennen wohl auch trainieren. Nicht nur die Biologie, vor allem die Psychologie ist voll davon. Vielleicht reiht sich da gerade auch der Kapitalmarkt in solch psychologische Beispiele ein. Wir blenden gerade COVID-19 langsam aus unserem Blickfeld aus.

Die COVID-Fallzahlen steigen in halb Euroland, in Indien und Brasilien sind sie noch immer konstant hoch, in Russland, UK, Australien und halb USA beginnen sie ebenso erneut zu steigen, und einzelne Regionen und Städte, wie beispielsweise New York, bereiten sich bereits auf härtere Restriktionen vor. An den Kapitalmärkten bemerkt man davon vorerst nichts. Die Konzentration liegt auf der Erkennung wachsender Konjunkturzahlen, die den so dringend ersehnten Wirtschaftsaufschwung bestätigen würden.

Alles ein wenig „tricky“. Der Aufschwung kommt ja nur dann, wenn wieder investiert wird und auch stärker konsumiert wird. Dies wird und darf aber erst passieren, wenn die Hilfsgelder auch genommen werden und damit auch wirkungsvoll umgegangen werden darf. Dort ist der Flaschenhals aber noch ziemlich verstopft, denn die Banken, die diese Gelder weitergeben, müssen davor eine Risikoprüfung machen, die nach den gleichen Regeln wie vor COVID-19 verlaufen muss. Nur bei positivem Outcome diese Übung fließt das (dann vom Staat garantierte) Geld. Mutet wie ein Scherz an, angesichts der verschärften ökonomischen Bedingungen gerade, ist aber noch immer Fakt. Als anderes Beispiel: In Österreich gibt es neben einigen anderen Hilfsgelder-Töpfen auch den Krisenbewältigungsfonds. Extra geschaffen um den verschiedenen Ministerien rasch finanzielle Hilfe angedeihen zu lassen. Darin liegen 18 Mrd. Euro - abholt wurden davon bis letzter Woche erst 165 Millionen. Brauchen wir den Rest gar nicht? Läuft die Wirtschaft auch so schon an? Haben wir da etwas verpasst? Heureka! Wir haben es geschafft! Oder doch nur den blinden Fleck im COVID-19 Alltag gerade wieder entdeckt?

Wie nach einem Crash in einem Formel 1 Rennen, wo die Karbonteile über die Strecke verteilt eine Rennunterbrechung samt Neustart provozieren, ereilt uns dieses Empfinden nahezu wöchentlich an den Kapitalmärkten. Fast schon inszeniert muten die Hoffnungswellen, gefolgt von Ernüchterung an. Die Frage nach dem Rennabbruch stellt sich zwar immer öfter, wird aber genauso oft verneint. „Es wird keinen Lock Down mehr geben“. Und, geben wir es zu, wir wollen ja auch fest daran glauben. Das halbe Internet, samt Material für Demo-Devotionalien ist voll von Verschwörungstheorien und Freiheitsaufrufen deren emotionaler Hintergrund sicher auch die Furcht vor weiteren einschränkenden Maßnahmen ist. Kapitalmärkte sind da nicht ausgenommen.

Es wird wohl ähnlich wie in der Biologie ablaufen. So wie das Wissen ob des Blinden Flecks unser Sehempfinden geschult und trainiert hat wird wohl auch die im Hintergrund sitzende Erkenntnis über Covid-19 das Investitionsverhalten an den Märkten beeinflussen. Muss gar nicht zum Schaden sein, etwas vorsichtiger zu agieren und nicht jedem Fehlstart hinterher zu laufen. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Charakter von Investitionen ist dann nur mehr der logische Schluss. Das wird zwar die Volatilität an den Aktienmärkten nicht bremsen aber sollte doch zumindest an den Kapitalmärkten das direkte Investment in die Wirtschaft vom Gedanken an eine aktuell primäre Abhängigkeit von Finanzzuschüssen befreien helfen.



29.09.2020

Die Welt trainiert den „Blinden Fleck“



Wir erinnern uns an unsere Biologiestunden in der Schule wo wir staunend ob des einfachen Beweises im Selbstexperiment unseren blinden Fleck entdeckten. Jene Stelle wo das Licht eines Auges auf den Sehnerv trifft, und weil der dort keine Lichtrezeptoren hat verschwindet im einäugigen Sehen plötzlich dort ein Fleck. Man kann solch ein Wegsehen bzw. Nichterkennen wohl auch trainieren. Nicht nur die Biologie, vor allem die Psychologie ist voll davon. Vielleicht reiht sich da gerade auch der Kapitalmarkt in solch psychologische Beispiele ein. Wir blenden gerade COVID-19 langsam aus unserem Blickfeld aus.

Die COVID-Fallzahlen steigen in halb Euroland, in Indien und Brasilien sind sie noch immer konstant hoch, in Russland, UK, Australien und halb USA beginnen sie ebenso erneut zu steigen, und einzelne Regionen und Städte, wie beispielsweise New York, bereiten sich bereits auf härtere Restriktionen vor. An den Kapitalmärkten bemerkt man davon vorerst nichts. Die Konzentration liegt auf der Erkennung wachsender Konjunkturzahlen, die den so dringend ersehnten Wirtschaftsaufschwung bestätigen würden.

Alles ein wenig „tricky“. Der Aufschwung kommt ja nur dann, wenn wieder investiert wird und auch stärker konsumiert wird. Dies wird und darf aber erst passieren, wenn die Hilfsgelder auch genommen werden und damit auch wirkungsvoll umgegangen werden darf. Dort ist der Flaschenhals aber noch ziemlich verstopft, denn die Banken, die diese Gelder weitergeben, müssen davor eine Risikoprüfung machen, die nach den gleichen Regeln wie vor COVID-19 verlaufen muss. Nur bei positivem Outcome diese Übung fließt das (dann vom Staat garantierte) Geld. Mutet wie ein Scherz an, angesichts der verschärften ökonomischen Bedingungen gerade, ist aber noch immer Fakt. Als anderes Beispiel: In Österreich gibt es neben einigen anderen Hilfsgelder-Töpfen auch den Krisenbewältigungsfonds. Extra geschaffen um den verschiedenen Ministerien rasch finanzielle Hilfe angedeihen zu lassen. Darin liegen 18 Mrd. Euro - abholt wurden davon bis letzter Woche erst 165 Millionen. Brauchen wir den Rest gar nicht? Läuft die Wirtschaft auch so schon an? Haben wir da etwas verpasst? Heureka! Wir haben es geschafft! Oder doch nur den blinden Fleck im COVID-19 Alltag gerade wieder entdeckt?

Wie nach einem Crash in einem Formel 1 Rennen, wo die Karbonteile über die Strecke verteilt eine Rennunterbrechung samt Neustart provozieren, ereilt uns dieses Empfinden nahezu wöchentlich an den Kapitalmärkten. Fast schon inszeniert muten die Hoffnungswellen, gefolgt von Ernüchterung an. Die Frage nach dem Rennabbruch stellt sich zwar immer öfter, wird aber genauso oft verneint. „Es wird keinen Lock Down mehr geben“. Und, geben wir es zu, wir wollen ja auch fest daran glauben. Das halbe Internet, samt Material für Demo-Devotionalien ist voll von Verschwörungstheorien und Freiheitsaufrufen deren emotionaler Hintergrund sicher auch die Furcht vor weiteren einschränkenden Maßnahmen ist. Kapitalmärkte sind da nicht ausgenommen.

Es wird wohl ähnlich wie in der Biologie ablaufen. So wie das Wissen ob des Blinden Flecks unser Sehempfinden geschult und trainiert hat wird wohl auch die im Hintergrund sitzende Erkenntnis über Covid-19 das Investitionsverhalten an den Märkten beeinflussen. Muss gar nicht zum Schaden sein, etwas vorsichtiger zu agieren und nicht jedem Fehlstart hinterher zu laufen. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Charakter von Investitionen ist dann nur mehr der logische Schluss. Das wird zwar die Volatilität an den Aktienmärkten nicht bremsen aber sollte doch zumindest an den Kapitalmärkten das direkte Investment in die Wirtschaft vom Gedanken an eine aktuell primäre Abhängigkeit von Finanzzuschüssen befreien helfen.