09.11.2011

Promise and … Deliver?



Eines der Grundprinzipien im menschlichen Umgang ist das Bewusstsein für Vertrauen.
Hat man Vertrauen ist es zumeist gut, hat man es nicht, steigt die Unsicherheit und reduziert das Wohlbefinden.

So wirklich wohl fühlen sich derzeit wahrscheinlich die Wenigsten. Unsicherheit wohin man blickt. Versprechen werden im Minutentakt gegeben und gebrochen. Man gewöhnt sich daran in erschreckendem Ausmass. Beispiele für gebrochene Versprechen gibt es mittlerweile en Masse: Europa bleibt stabil, die Banken haben genug Eigenkapital, Griechenland ist sicher, Portugal und der Rest der GIIPS natürlich auch, die USA haben kein Schuldenproblem, deren Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit sinkt ebendort, Ratingagenturen sind unabhängig, die EU bürgt für Griechenlands Schulden, der IWF ist an Bord, die Arbeitsplätze sind sicher und Geldentwertung findet nicht statt.

Die Inflation der leeren Versprechen hält uns täglich in Atem. Es geht inzwischen an den Kapitalmärkten gar nicht mehr darum, was gesagt wird, sondern wie lange man gewillt ist, es zu glauben. Eine Horde versprechenswütiger Politiker steht einem Markt gegenüber der es sich in den letzten Jahrhunderten zur Maxime gemacht hat, Regeln und Umgebungen zu schaffen in denen die Glaubwürdigkeit einen soliden Boden hat. „An Dich“ heisst, ich verkaufe an Dich. Unumstösslich! Ethik pur. Ein „vielleicht“ gibt es da nicht. Darf es gar nicht geben. Sonst funktioniert das System nicht. Dazu gehört genauso, dass diejenigen Unternehmen oder Teilnehmer die dieses Vertrauen nicht rechtfertigen den Kapitalmarkt verlassen müssen. Gut so. Hat perfekt funktioniert. Aber was macht man, wenn die Politik nach anderen Gesetzmässigkeiten agiert und unsere Märkte zu dominieren beginnt? Ein wirklich schwieriger Prozess den wir Investoren derzeit durchmachen. Zwischen den Wahrscheinlichkeiten der Aussagen hin und her zu lavieren ohne dabei den Zug zur fundamentalen Wahrheit zu verlieren. Psychoanalyse im Minutentakt.

Da hilft es natürlich sich an die Antizipation eines „grossen Plans“ im Hintergrund zu klammern. Die „Big Story“ die alles im Nachhinein erklären wird. Dass Europa gerade neu gezimmert wird und das eben lange dauert. Demokratie-Malus eben. Dass aber danach alle Probleme wie im neuen Sonnenschein nach einem langen Regen gelöst werden. Klarheit, Ehrlichkeit, Transparenz. Mir wird gleich schlecht.

Bevor ich aber in Trübsal und nüchterner Erkenntnis ob der natürlich begrenzten Möglichkeiten unserer Politik ende, hilft mir ein Blick auf die Fakten. Es stimmt schon, dass die letzten Aktionen allesamt zu einer Zeitverzögerungstaktik passen würden, dass daher die Motivation hinter einer solchen Strategie nicht allein in kommenden Neuwahlen stecken kann, sondern vielleicht doch eine Suche nach nachhaltiger Lösung die Fäden ziehen lässt. Eine solche Lösung würde uns an den Kapitalmärkten auch wieder zurück in unsere alten Gefilde des analytischen und perspektivischen Investments zurückführen ohne deren Faktenbasis permanent anzweifeln zu müssen. Wäre schon cool, sich wieder auf Inflationsdaten und BIP Schätzungen genauso wie auf statistische Daten anderer Staaten verlassen zu können. Dann würden wir auch durch den Nebel unserer aktuellen Informationslage erkennen können wie sehr sich unsere Welt inzwischen verändert hat. China, Brasilien, USA, Nordafrika und, ja genau, und Europa. Wir verändern gerade die Welt.

Mit dem zu erwartenden Kommentar können wir uns aber schon heute auseinandersetzten: Ob „die paar gebrochenen Versprechen“ als Preis dafür nämlich langfristig akzeptabel sind.



09.11.2011

Promise and … Deliver?



Eines der Grundprinzipien im menschlichen Umgang ist das Bewusstsein für Vertrauen.
Hat man Vertrauen ist es zumeist gut, hat man es nicht, steigt die Unsicherheit und reduziert das Wohlbefinden.

So wirklich wohl fühlen sich derzeit wahrscheinlich die Wenigsten. Unsicherheit wohin man blickt. Versprechen werden im Minutentakt gegeben und gebrochen. Man gewöhnt sich daran in erschreckendem Ausmass. Beispiele für gebrochene Versprechen gibt es mittlerweile en Masse: Europa bleibt stabil, die Banken haben genug Eigenkapital, Griechenland ist sicher, Portugal und der Rest der GIIPS natürlich auch, die USA haben kein Schuldenproblem, deren Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit sinkt ebendort, Ratingagenturen sind unabhängig, die EU bürgt für Griechenlands Schulden, der IWF ist an Bord, die Arbeitsplätze sind sicher und Geldentwertung findet nicht statt.

Die Inflation der leeren Versprechen hält uns täglich in Atem. Es geht inzwischen an den Kapitalmärkten gar nicht mehr darum, was gesagt wird, sondern wie lange man gewillt ist, es zu glauben. Eine Horde versprechenswütiger Politiker steht einem Markt gegenüber der es sich in den letzten Jahrhunderten zur Maxime gemacht hat, Regeln und Umgebungen zu schaffen in denen die Glaubwürdigkeit einen soliden Boden hat. „An Dich“ heisst, ich verkaufe an Dich. Unumstösslich! Ethik pur. Ein „vielleicht“ gibt es da nicht. Darf es gar nicht geben. Sonst funktioniert das System nicht. Dazu gehört genauso, dass diejenigen Unternehmen oder Teilnehmer die dieses Vertrauen nicht rechtfertigen den Kapitalmarkt verlassen müssen. Gut so. Hat perfekt funktioniert. Aber was macht man, wenn die Politik nach anderen Gesetzmässigkeiten agiert und unsere Märkte zu dominieren beginnt? Ein wirklich schwieriger Prozess den wir Investoren derzeit durchmachen. Zwischen den Wahrscheinlichkeiten der Aussagen hin und her zu lavieren ohne dabei den Zug zur fundamentalen Wahrheit zu verlieren. Psychoanalyse im Minutentakt.

Da hilft es natürlich sich an die Antizipation eines „grossen Plans“ im Hintergrund zu klammern. Die „Big Story“ die alles im Nachhinein erklären wird. Dass Europa gerade neu gezimmert wird und das eben lange dauert. Demokratie-Malus eben. Dass aber danach alle Probleme wie im neuen Sonnenschein nach einem langen Regen gelöst werden. Klarheit, Ehrlichkeit, Transparenz. Mir wird gleich schlecht.

Bevor ich aber in Trübsal und nüchterner Erkenntnis ob der natürlich begrenzten Möglichkeiten unserer Politik ende, hilft mir ein Blick auf die Fakten. Es stimmt schon, dass die letzten Aktionen allesamt zu einer Zeitverzögerungstaktik passen würden, dass daher die Motivation hinter einer solchen Strategie nicht allein in kommenden Neuwahlen stecken kann, sondern vielleicht doch eine Suche nach nachhaltiger Lösung die Fäden ziehen lässt. Eine solche Lösung würde uns an den Kapitalmärkten auch wieder zurück in unsere alten Gefilde des analytischen und perspektivischen Investments zurückführen ohne deren Faktenbasis permanent anzweifeln zu müssen. Wäre schon cool, sich wieder auf Inflationsdaten und BIP Schätzungen genauso wie auf statistische Daten anderer Staaten verlassen zu können. Dann würden wir auch durch den Nebel unserer aktuellen Informationslage erkennen können wie sehr sich unsere Welt inzwischen verändert hat. China, Brasilien, USA, Nordafrika und, ja genau, und Europa. Wir verändern gerade die Welt.

Mit dem zu erwartenden Kommentar können wir uns aber schon heute auseinandersetzten: Ob „die paar gebrochenen Versprechen“ als Preis dafür nämlich langfristig akzeptabel sind.